Wie der Zeitgeist die Trends beeinflusst


Wir bewegen uns auf einen Zeitgeist zu, in dem Wissenschaft und Daten entscheidende Faktoren für unser Essverhalten werden. Food wird in naher Zukunft stets mehr als Mittel zur Leistungsverbesserung gesehen werden. Diese Prognose stellt Peter Heshof, Gründer von Bloom, trend & marketingbureau. Wann es zu einer Mentalitätsänderung kommt, weiß niemand genau. Aber sie könnte schneller kommen, als man derzeit denkt. Wie stellt man sich als Foodhersteller auf zukünftige Trends ein? 

Euroma entwickelt regelmäßig neue Foodkonzepte für verschiedene Auftraggeber. Das Gedankengut von Peter Heshof ist dabei eine große Inspirationsquelle. Heshof ist davon überzeugt, dass Trends kein Zufall sind, sondern sich aus dem wandelnden Zeitgeist ergeben, der sich gemäß einem festen Muster wiederholt. Und aus dieser Erkenntnis kann eine Marke Vorteile ziehen. 

Das Zeitgeistmodell näher erläutert

Die Grundlage von Heshofs Trendprognosen bildet sein Zeitgeistmodell.

  • Das Modell basiert auf acht Verbraucherwelten.
  • Jede Welt steht für ein Urbedürfnis von Menschen.
  • Die acht Welten sind in vier farbigen Flächen untergebracht, die wir von dem Persönlichkeitsmodell des Schweizer Psychiaters Carl Jung kennen.
  • In jeder Farbfläche, die im Allgemeinen einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren darstellt, sind bestimmte Bedürfnisse dominant.
  • Der Zeitgeist verschiebt sich gemäß der Dynamik des Unendlichkeitsmodells über diese vier Flächen.
  • Der sich wiederholende Rhythmus bietet einen Einblick in welche Bedürfnisse Trend werden.

Wo die Trends anfangen…

Mit der Kenntnis des Zeitgeistmodells im Hinterkopf, beobachtet Peter Heshof die gesellschaftlichen Entwicklungen. Was geschieht im Bereich von Food, Technik usw.? Was tun Startups? Welche Gegenstimmen gibt es bezüglich bestimmter Trends? Jedes Jahr macht er eine Trendtour nach Amerika. Laut Heshof herrscht dort - und vor allem in westlichen Städten wie Los Angeles und San Francisco - noch immer der alte Pioniergeist, weil es dort u. a. keinen Versorgungsstaat gibt. Dies ist der Grund, dass Trends dort oft zuerst Gestalt annehmen.

 

Peter Heshof erläutert die Funktionsweise des Zeitgeistmodells

Ich wurde einmal gefragt, ob ein Unternehmen die grüne Periode nicht einfach überschlagen könnte. Sie sagte ihm nämlich nicht zu. 'Natürlich', war meine Antwort. 'Das Problem ist nur, dass die Gesellschaft und damit auch Ihre Kunden, dies nicht tun'.
Peter Heshof

GRÜN | Leidenschaft für das Allerbeste

Schauen wir uns erst noch kurz die grüne Periode an, deren Ende wir gerade erleben. Diese Periode begann zu Anfang dieses Jahrhunderts. Sie hat deutliche Berührungspunkte mit den Fünfzigerjahren. Das Gruppengefühl ist wichtig, wobei gilt, dass man jetzt selbst bestimmt, zu welcher Gruppe man gehören möchte. Zusammen Energie sparen ist beispielsweise eine verbindende Aktivität. 

Es gibt mehrere Trends, die für eine bestimmte Zeitgeistperiode kennzeichnend sind. Einer der wichtigsten Foodtrends der grünen Periode ist „Leidenschaft für das Beste“. Wir möchten die allerbesten Kräuter und den allerleckersten Cappuccino. Das Ergebnis ist, dass allerlei Spezialisierungen entstehen. In vielen Fällen konzentriert sich der Einzelhandel fast ganz auf ein einziges Produkt, wie eine Smoothie-Bar zum Beispiel.

Die wichtigste Erkenntnis, die diese Periode für den Foodhersteller in petto hält, ist, dass er ein wirklich gutes Produkt haben muss. Kunden wünschen sich authentische, reine Aromen und Transparenz des Herstellers bezüglich Zutaten und deren Herkunft. Clean label Produkte von denen die Qualität hervorragend ist. 

Wann endet eine Trendperiode? Wenn Sie Spott ausgesetzt wird.
Videos wie diese kündigen das Ende der grünen Periode an.


GELB | Emotionen und Freiheit 

Die derzeitige gelbe Periode wird von einer Zeit der Destabilisierung gebildet, die in digitaler Umwälzung und Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft zum Ausdruck kommt. Das Pflegesystem, Mobilität: Alles steht zur Diskussion. Die wachsende Generation von Millennials ist damit aufgewachsen und reagiert darauf, indem sie ständig prüft, ob Dinge nicht anders, d. h. besser organisiert werden können. In dieser Periode dominieren Welten, in denen Emotion und Freiheit vorherrschen.
 

Fooderlebnisse

Während in der grünen Periode Verbraucher vor allem für das beste Produkt bezahlen möchten, sehen wir in der gelben Periode, dass auch gute Geschichten zum Ausgabenmuster des Verbrauchers beitragen. Eine gute Geschichte gibt nämlich ein gutes Gefühl. Aber das ist nicht alles. Die Erfahrung, das Erlebnis gibt nämlich das beste Gefühl. So sehen wir, dass moderne Jugendliche nicht mit teuren Anschaffungen und Besitz prunken, sondern ihren Status den Erlebnissen verdanken, die sie in sozialen Netzwerken teilen. 

 

Food ist die 'neue Mode'

Auch im Foodbereich streben wir immer mehr nach einer umfassenden sensorischen Erfahrung. Clevere Foodhersteller richten sich auf multisensorische Erfahrungen oder Geschmacksexplosionen. Wir testen saures Bier, bitteres Bier und süßes Bier. Und jede Woche probieren wir eine neue Eissorte aus. Die Verpackung von Produkten wird immer wichtiger und muss eine gute Geschichte erzählen. Essen muss nicht nur schmackhaft sein, es muss auch gut aussehen. Dabei spielt Farbe eine wichtige Rolle. Essen in Bowls ist derzeit beispielsweise sehr beliebt, da es sich gut fotografieren lässt, und insbesondere Jugendliche teilen solche Fotos scharenweise, denn „Food ist die neue Mode.“


BLAU | Die Vernunft im Mittelpunkt

Während Food heutzutage noch oft mit Emotionen behaftet ist, wird in naher Zukunft im blauen Zeitgeist die Vernunft führend sein. Der Fachmann wird zum Helden. Und in vielen Fällen wird dies ein digitaler Fachmann sein. Wir holen uns Roboter ins Haus. Und wir erhalten dank großer Datenmengen Antwort auf die Frage, wie man „übermenschlich“ werden kann. 

Peter Heshof zufolge sind die ersten Signale, die die Trends der blauen Periode ankündigen, bereits merkbar. So kann IBMs Supercomputer Watson zum Beispiel genutzt werden, um Rezepte zu erstellen. Auf der Grundlage von 100.000 Rezepten und der Analyse von Zutatenkombinationen sowie menschlicher Geschmacksvorlieben, erzeugt der Computer besondere und überraschende Geschmackskombinationen.

Während sich viele Blogger jetzt noch ganz in der gelben Zeitgeistperiode befinden, werden sie bereits vorsichtig von der Wissenschaft korrigiert, die darauf hinweist, dass sie „nur Meinungen“ und keine Tatsachen vertreten. Laut Peter Heshof wird dieser Aspekt eine größere Rolle spielen. Ist es eigentlich wirklich eine gute Idee, biologisch zu essen? Wie bereitet man die allerleckerste Mayonnaise zu? Die Wissenschaft wird auf diese Fragen eine Antwort geben. Sicherheit wird in der blauen Periode sehr wichtig. 
 

Maßgerechte Informationen zur Leistungsverbesserung

Daneben hilft uns die Wissenschaft, den Nährwert unseres Essens zu maximieren. Wie viele Vitamine Paprika oder Ingwer hat, wird wichtiger als die Authentizität von Kräutern oder Gewürzen. Ziel ist es, mit Food Verbesserungen zu erzielen: Wie verbessere ich meine Verdauung, wie senke ich mein Cholesterin, wie schlafe ich besser oder wie erziele ich beim Sport bessere Leistungen? 

Aufgrund von Daten und der wachsenden Zugänglichkeit von DNA-Untersuchungen, sind wir in der Lage, personalisierte Antworten auf die Frage zu geben, was das Beste für Sie ist. In einiger Zeit wird uns zu diesem Zweck ein personalisierter Salat auf der Grundlage unserer eigenen DNA und unserer Geschmacksvorlieben serviert.


 

Ihre Armbanduhr sagt Ihnen genau, was Sie auf der Grundlage Ihrer DNA und Ihrer täglichen Aktivitäten essen müssen. Auch Familienmitglieder erhalten einzigartige, personalisierte Rezeptempfehlungen, die die richtigen Nährwerte enthalten, sodass sie optimale Leistungen erbringen können. Auf Knopfdruck bestellen Sie alle Zutaten.

Wie kann man sich als Foodhersteller vorbereiten?

Bedeutet all dies, dass wir als Foodhersteller unser Marketing und unsere Prozesse auf den blauen Zeitgeist einstellen müssen? Jetzt noch nicht, meint Heshof. Wenn man jetzt schon entsprechende Produkte am Markt einführen würde, fänden Menschen diese unheimlich. Der blaue Zeitgeist ist eine andere Periode, die der Verbraucher erst später schätzen lernen wird.

Es ist aber ratsam, sie im Rahmen der Firmenstrategie schon zu berücksichtigen, indem man in Kenntnis und Technologie investiert. Indem man beispielsweise den Kontakt zu Wissenschaftlern pflegt oder Daten sammelt. So können Sie, wenn die Zeit reif ist, dem Verbraucher bei seinem Streben, optimale Leistungen zu erbringen, helfen.Für die große Anzahl Menschen, die die blaue Periode heute noch „unheimlich“ findet, hat Heshof eine beruhigende Mitteilung.

„Der Übergang zur blauen Zeitgeistperiode bedeutet nicht, dass wir die heutigen Werte ganz loslassen. Der Zeitgeist baut sich immer auf, wir kehren nicht in die Vergangenheit zurück. Werte wie gesundes und schmackhaftes Essen und Interesse an Nachhaltigkeit bleiben aktuell.“ 
 

Glücklich.

Sind Sie neugierig, mit welchen innovativen Foodkonzepten Sie dem kommenden Zeitgeist entsprechen können?

Wenden Sie sich dann für einen Inspirations-Workshop an Pernella Geluk.